Criollo-Rasseportrait

Der reine Criollo (Criollo Definitivo), wie er in verschiedenen Ländern Südamerikas gezogen wird,  ist mindestens vier Generationen rein gezogen. Reinrassige Criollos werden in Südamerika als Arbeitspferde und Statussymbole der Patrons einer Estancia in viel höherem Grade domestiziert als ein Mestizo.


Deckhengst Quelen Taquillero/Zucht: Jürg Rauber CH-Marthalen

Exterieur

Das Exterieur des Criollos weist einen Kopf mit geradem bis leicht konvexem Profil auf. Der Hals ist stark, die Brust kräftig, breit und tief angesetzt. Die Rückenlinie verläuft relativ gerade, die Kruppe ist rund und der Schweif tief angesetzt. Sein Fundament ist stabil und er verfügt über eine kräftige Muskulatur. Die Hufe sind klein und hart. Seine ldealgröße liegt bei 1,44 Meter, zugelassen sind Abweichungen von 1,38 bis ma-ximal 1,50 Meter. Der Zuchtverband empfiehlt jedoch eine Größe von 1,48 m nicht zu überschreiten (Stuten 2 Zentimeter weniger).

Charakter

Zu den Eigenschaften des Criollo, des Mustangs Südamerikas, zählen:

  • Natürlicher Hüteinstinkt
  • Cowsense
  • Zähigkeit
  • Rassetypische Ausdauer
  • Außerordentliche Härte
  • Wendigkeit
  • Extreme Trittsicherheit
  • Zuverlässigkeit
  • Enorme Nervenstärke
  • Genügsamkeit in der Haltung
  • Durch sehr strenge Selektion und naturnahe Zucht sind die Criollos sehr gesunde Pferde. Krankheiten durch Überzüchtung findet man in dieser Rasse nicht.

Farben & Zeichnungen

Bei den Criollos sind viele Farben und Zeichnungen zu finden. Dabei werden mehr als 100 Begriffe und Unterbegriffe zur Beschreibung des Pferdes verwendet, die sich die Gauchos mit viel Phantasie und dichterischem Vermögen ausgedacht haben. Es wird unterschieden zwischen den Hauptfarben Alazan, Tostado, Tordillo, Bayo, Gateado, usw. und der Zeichnung an Kopf und Beinen Malacara, Picazo, Pampa etc., um so die charakteristische Farbbezeichnung zu beschreiben. Man findet vor allem aber Falbschattierungen, die dem Steppengras gleichen, mitunter auch einen Aalstrich auf dem Rücken und Zebrastreifen an den Beinen.

Verwendung

Durch seine oben genannten Eigenschaften ist der Criollo für die verschiedensten Sparten des Reitsports geeignet. Am häufigsten jedoch findet er bei uns in der Western- und der Freizeitreiterei seine Verwendung. Hervorragend eignet er sich für Wanderritte und anspruchsvolle Distanzritte. Im Westernreiten findet er auch in Europa immer häufiger seine Verwendung. Ein gut ausgebildeter und gut gerittener Criollo kann - anderen Rassen absolut ebenbürtig -  erfolgreich im Reining oder bei der Rinderarbeit eingesetzt werden. Und nicht zuletzt sind die Criollos liebenswerte Familienpferde und Freizeitkumpels.


Zuchtgebiet

Das ursprüngliche Zuchtgebiet des Criollos liegt in Südamerika, vor allem in Argentinien. Doch auch in Uruguay, Chile, Brasilien und Paraguay ist er beheimatet. Seine Abstammung geht auf iberische Pferde zurück, die im 16. Jahrhundert mit dem spanischen Eroberer Don Pedro Mendoza mit Schiffen an die südamerikanische Ostküste, das heutige Argentinien, kamen. Als Mendoza mit seinen Truppen fliehen musste, blieben die Pferde zurück. Die offenen Weiden der Pampa und das baumlose Grasland boten den Pferden einen Lebensraum ähnlich dem im heimatlichen Spanien. Sie vermehrten sich schnell. Das Klima des neuen Kontinents, wechselnd von heißen Sommern zu kalten Wintern, ließ nur die robustesten Tiere überleben. So ging aus einer jahrhundertelangen, natürlichen Selektion, aus den Nachfahren der Berber und Gineta (leichtere spanische Reitpferde, die als besonders hübsch, edel und besonders geeignet für die Hohe Schule galten), dann schließlich dieses kleine widerstandsfähige Robustpferd hervor, das Arbeitspferd der Gauchos.


Historie

Anfang der 80er Jahre brachte ein Pferdehändler sehr viele Tiere per Schiff nach Italien und somit nach Deutschland. Diese Criollos entsprachen oft nicht dem vorgeschriebenen Rassestandard. Später kamen auch Criollos per Flugzeug nach Deutschland. 1989 wurden acht reinrassige argentinische Criollos auf der Equitana vorgestellt. Allerdings beeindruckten diese kleinen, kompakten Pferde die Messebesucher damals nicht besonders. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit vom 1992 gegründeten „Freundeskreis Criollo“ wurde dann die Eignung dieses südamerikanischen Pferdes als Wanderreit- und Freizeitpferd oder auch als Westernpferd immer mehr publik. Vor 75 Jahren wurde ein einheitlicher Rassestandard festgelegt, der von den Zuchtverbänden in Südamerika streng kontrolliert wird. In Deutschland wurde 1994 der CRIOLLO Zuchtverband Deutschland e. V. (CRZVD) gegründet, der dem Spezialpferderassenverband Bayern angeschlossen ist.

Mestizo

Der Mestizo, der oft fälschlicherweise als Criollo bezeichnet wird, ist mehr oder weniger rassetypisch und meist eine Mischung mit Vollblut-, Kaltblut- aber auch mit Warmblutrassen. Diese Pferde werden per riesigen Schiffsladungen unter erbärmlichen Umständen, in der Regel als Schlachtpferde, nach Europa gebracht. Pferde, die den Transport einigermassen unbeschädigt überleben, werden auch als Reitpferde verkauft und so verwendet. Unbestritten gibt es Mestizos, die gute Reitpferde sind. Von jenen Pferde-Importeuren und der diesbezüglichen Art des Imports der Pferde aus Südamerika distanzieren wir uns aber ganz klar.

Die Einkreuzung von Mestizos in die Zuchtlinien der Criollos ist wohl möglich, führt aber weg vom Rassestandart des Criollo Definitivo und gehört nicht zur Zielsetzung der IG Criollo Schweiz, die den reinen Criollo fördert.

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