Gauchos & Gardians:
Criollo trifft Camarguais 2
12.-13. Juni 2010 Süddeutschland
Jahr unter dem Begriff
„Criollo trifft Camargue“ erstmals statt fand und großen Anklang bei
Reitern und Publikum gefunden hatte, wurde heuer nun zum zweiten Mal
durchgeführt. Erneut trafen die rassigen Pferde, die in ihren jeweiligen
Heimatländern als Arbeitspferde bei der Rinderarbeit eingesetzt werden,
aufeinander. Das Turnier wurde im Centre Equestre Traditionnel „Le
Camarguais“ (CET) von Hedi Sackenreuther und Jean Pierre Godest in
Horb-Nordstetten nach den Regeln der Camargue ausgetragen. Es
beinhaltete am Samstag und Sonntag jeweils einen Geländeparcours, den so
genannten Speed Trail - in der Camargue wird er als „Parcours de Pays“
bezeichnet - und den Stil Trail auf dem Reitplatz - in der Camargue
„Maniabilité“ genannt. Dieses Turnier zählt, obwohl noch recht neu,
neben den Camargue- und Working Equitation-Turnieren zu den
alljährlichen Höhepunkten im CET. Turniere dieser Art sind die einzigen
offiziellen Veranstaltungen außerhalb Südfrankreichs, die nach
französischen Richtlinien ausgetragen werden und durch Richter des
französischen Verbandes gerichtet werden“ sagt Jean Pierre Godest (58),
der als Grand Seigneur der südfranzösischen Arbeitsreitweise gilt,
stolz.
„Sattelt die
Hühner…“ Am Samstagvormittag
eröffnete die jugendliche Einsteigerklasse den Wettkampf im Gelände. Die
jüngste Teilnehmerin mit acht Jahren, war Chantal Gutermann aus Bad
Saulgau-Haid mit ihrem Pony Susi. Damit das auch klappte und das Risiko
für die kleine Turniereinsteigerin nicht zu groß war, wurde sie im
Geländeparcours von Papa Roland Gutermann begleitet, der dem kleinen
Reiterpaar immer ein paar Schritte vorauseilte. Beim Stil Trail übernahm
diesen Part dann Mama Conny. Nach der Einsteigerklasse waren die
fortgeschrittenen Reitersleute an der Reihe. Wieder gab es verschiedene
Sprünge, zu bewältigen, Tonnen mussten umrundet und Galoppstrecken
bewältigt werden. Zu den schwersten Hindernissen zählte offenkundig der
Wassergraben, wobei so manches Pferd seinem Reiter den Gehorsam
verweigerte. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Hindernis, war der
Hühnerkäfig. Dabei handelte es sich um einen runden Hühnerkäfig, in
welchem sich Hühner befanden, umrandet von einem Halbkreis Strohballen.
Zwischen Hühnerkäfig und Strohballen mussten die Reiter den Halbkreis
durchqueren, wobei die Pferde da mit ihren Reitern nicht immer einig
waren, dies letztlich auch so machen, wie es von Ihnen verlangt wurde.
Während die Hühner, die üblicherweise frei auf dem Hof herum laufen, ihr
zeitlich kurz bemessenes Käfigdasein relativ gelassen nahmen, erschrak
so manches Pferd vor den „Ungetümen“ Hühner. So manch Reitersmann oder
-frau touchierte dann den Hühnerkäfig so unglücklich, dass dieser sich
öffnete und die Hühner für kurze Zeit in die Freiheit des Geländes
flohen und erst einmal wieder eingefangen werden mussten. Strafpunkte
für den Reiter bzw. die Reiterin waren die Folge. Spaßig gemeinte
Sprüche, wie „sattelt die Hühner...“ mussten die betroffenen
Reitersleute dann in Anbetracht der Situation schließlich auch noch über
sich ergehen lassen. Doch man nahm es mit Humor.
Im Anschluss an den Geländeparcours,
galt es für Einstieger und Fortgeschrittene beim Stil Trail auf dem
Reitplatz zu punkten. Im Gegensatz zum Speed Trail, bei dem es um Punkte
und Zeit geht, zählen beim Stil Trail nur die Punkte, die vom Reiter
innerhalb einer vorgegebenen Zeit gesammelt werden. Hierbei hat der
Reiter die freie Wahl, für welche Hindernisse er sich entscheidet.
Entscheidet man sich für die schweren Hindernisse, zu denen
beispielsweise das Ringstechen an einer Stierattrappe zählt, bekommt man
natürlich auch mehr Punkte angerechnet, als bei einem einfacheren
Hindernis. Maximal darf ein Hindernis im Verlaufe des Durchgangs aber
nur dreimal angeritten werden.
Blumensträuße
& Orangen Am Samstagabend
war Showtime angesagt. Die Showvorführung wurde mit der freilaufenden
Camarguepferdeherde des Centre Equestre Traditionnel eröffnet. Sabine
Burger vom HS-Corral in Mengen-Beuren und Anja Voigt von den Criollos im
Hegau in Gailingen am Hochrhein präsentierten in einem Pas de deux ihre
prächtigen Criollo-Zuchthengste, den lackschwarzen Negro Nostalgioso
und den bayo-overo-farben Calfiao Chingolo. Wie gelassen und nervenstark
die südamerikanischen Criollos sein können, das demonstrierte die
Hegauer Pferdezüchterin Anja Voigt deutlich sichtbar zusammen mit
Teampartnerin Anika Girgen, Hengst Calfiao Chingolo und Stute Sorpresa,
die ein Fohlen bei Fuß führte, in einer Vorführung mit bunten
Chiffontüchern, die wechselweise über, hinter und um die Pferde
schwebten. Das Fohlen beeindruckte dies recht wenig. Es hatte ja
schließlich auch den Geländeparcours sowie den Stil Trail problemlos mit
absolviert und somit gleich seine Eignung als künftiges Working
Equitation-Pferd ganz offensichtlich unter Beweis gestellt. Seitens der
Camarguais wurden die Zuschauer von den Akteuren der südfranzösischen
Reiterspiele auf Trab gehalten. Dabei galt es zum einen für Jean Pierre
Godest, Jürgen Fäth, Rainer Möldgen und Fabian Hellstern sich
gegenseitig auf ihren Camarguepferden einen Blumenstrauß ab zu jagen,
das Ganze im Galopp natürlich und einschließlich recht enger Wendungen.
Jean Pierre Godest ließ es sich dabei nicht nehmen, sogar einen auf dem
Boden liegenden Blumenstrauß vom galoppierenden Pferd aus aufzunehmen.
Zum anderen mussten die Camarguais beim „Jeux d’oranges“ jeweils drei
Damen in rasantem Galopp die Orangen, die diese in ihren erhobenen
Händen hielten, entreißen. Bekamen die Reiter die Orangen zu fassen,
warfen sie diese sogleich dem Publikum zu.
Des Gardians
Rinder Eröffnet wurde der
Sonntagvormittag mit der Rinderarbeit, der "Tri Chrono". Hierbei traten
Reiter vom Team Criollo gegen das Team Camargue an. Im letzten Jahr
siegte das Team der Criolloreiter gegen die Camarguais, die in diesem
Jahr die Führung im Wettkampf um die Arbeitsreitweise am Rind übernahmen
und schließlich siegreich aus dem Wettkampf hervor gingen. Die ersten
drei Plätze in der Einzelwertung der Rinderarbeit belegten die
Criollozüchter Jürg Rauber, Marthalen/Schweiz mit Platz 1 und Anja
Voigt, Gailingen am Hochrhein mit Platz 3. Jürgen Fäth aus Dettingen bei
Rottenburg belegte mit Camarguepferd Mithras den zweiten Platz. Vom
Camargue-Team belegten Rainer Möldgen Platz 4, Astrid Friedrichsen Platz
5 und Fabian Hellstern Platz 7. Cornelia Gutermann ritt auf den 6.
Platz und Sabine Burger auf Platz 8, beide Criollo-Reiterinnen.
Platzierungen Nach der spannungsreichen Rinderarbeit folgte
noch einmal der Parcours auf dem Reitplatz und im Gelände. Im Speed
Trail war Fabian Hellstern aus Horb mit Camarguepferd Ikar in der Klasse
der Fortgeschrittenen sehr schnell unterwegs. Er belegte in der
Einzelwertung dieser Disziplin Platz 1 vor Jürgen Fäth aus
Rottenburg-Dettingen, der seinen prächtigen Camarguewallach Mithras
ritt. Dritter im Bunde war Rainer Möldgen aus Pulheim mit Camarguepferd
Elliott. Claudia Dirlewanger ritt mit Lady Moonlight auf den 4. Platz. Die Schweizerin Leony Rauber und
Criollostute Garua belegten Platz 5. Anja Voigt von den „Criollos
im Hegau“ schaffte es mit Criollo-Zuchthengst Calfiao Chingolo auf den
6. Platz. Platz 7 belegte Yvonne Hellstern mit Camarguepferd Jason.
Platz 8 ging wieder an eine Schweizer Reiterin, an Anja Tober.
Tierärztin Eddi Berger ritt mit Criollo Fuxi auf Platz 9. Ihr folgte
Svenja Reiter mit Florita auf dem 10. Platz. Mit Camarguepferd Bambou du
Mas schaffte Astrid Friedrichsen es auf Platz 11. Den 12. Platz
erreichte Hanna Stürzebecher mit Juventas. Criollostute Sorpresa, ein
Fohlen bei Fuß, geritten von Anika Girgen, schaffte es auf Platz 13.
Sabine Burger vom „HS-Corral“ in Mengen-Beuren ritt auf den 14. Platz;
Margot Reck auf Platz 15, Roland Gutermann auf Platz 16, gefolgt von
seiner Frau Conny Gutermann mit Platz 17. Das Schlusslicht bildete Jutta
Niederreiter auf einem 18. Platz.
Weitere
Platzierungen Einzelwertungen Speed Trail - Einsteiger: 1. Julia Pieckert, 2. Milli Müller, 3. Jelena Rauber, 4. Silvia Schöller,
5. Chantal Gutermann und 6. Jaqueline Gutermann Stil Trail -
Fortgeschrittene: 1. Jürgen
Fäth, 2. Anja Voigt, 3. Eddi Berger, 4. Yvonne Hellstern und Conny
Gutermann, 6. Fabian Hellstern, 7. Sabine Burger, 8. Anika Girgen und
Hanna Stürzebecher, 10. Jutta Niederreiter, 11. Anja Tober, 12. Claudia
Dirlewanger, 13. Roland Gutermann, 14. Astrid Friedrichsen, 15. Rainer
Möldgen, 16. Leony Rauber, 17.
Margot Reck, 18. Svenja Reiter. Stil Trail - Einsteiger: 1. Silvia Schöller, 2. Milli Müller, 3. Jelena Rauber, 4. Julia Pieckert,
5. Madlen Hirn, 6. Lisa Hirn, 7. Chantal Gutermann, 8. Jacqueline
Gutermann.
Bei der
Endbewertung des Turniers wurden jeweils die besten Ergebnisse eines
jeden Teilnehmers pro Durchgang und Disziplin gewertet.
Gesamtsieger Einsteiger: 1. Milli Müller, Nordstetten; 2. Silvia
Schöller, Nordstetten und Julia Pieckert, Empfingen; 4. Jelena Rauber, Marthalen/Schweiz
und Chantal Gutermann, Bad Saulgau-Haid; 6. Jacqueline Gutermann, Bad
Saulgau-Haid. Gesamtsieger Fortgeschrittene: 1. Jürgen Fäth, Rottenburg-Dettingen; 2. Fabian Hellstern, Horb;
3. Anja Voigt, Gailingen am Hochrhein; 4. Yvonne Hellstern, Horb; 5.
Eddi Berger, Schmelz; 6. Claudia Dirlewanger, Riedlingen; 7. Rainer
Möldgen, Pulheim; 8. Anja Tober, Rorbas/Schweiz; 9. Hannah Stürzebecher,
Bildechingen; 10. Anika Girgen,
Gailingen am Hochrhein und Sabine Burger, Mengen-Beuren und Leonie
Rauber, Marthalen/Schweiz und Conny Gutermann, Bad Saulgau-Haid;
14. Astrid Friedrichsen, Reichenau; 15. Jutta Niederreiter, Aidlingen;
16. Roland Gutermann, Bad Saulgau-Haid; 17. Margot Reck, Mengen-Beuren;
18. Svenja Reiter, Eutingen im Gäu.
Fotos CtC ©: Carola Lenski - www.carola-lenski.com
| Jelena
Rauber: Geländeritt
Jürg Rauber
beim der Rinderarbeit
 
Leonie Rauber im Gelände

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